Partyberichte

Über den roten Teppich in eine bizarre Welt
Fetischball „Eromorph“ am 29.04.06 in Erfurt

(ein Bericht von Anastasia, Autorin aus „Böse Geschichten Nr. 18“, Charon-Verlag, www.schlagzeilen.com sowie Autorin und Eventmanagerin des Schreiblust-Verlages, www.schreib-lust.de )

 

Mitten im Herzen der Thüringer Hauptstadt fand das bisher größte Fetisch-Ereignis der Region statt. Unbemerkt von den Einheimischen führte der Weg ins SM-Paradies direkt hinter dem Erfurter Anger über eine verborgene Seitengasse zum „Club Centrum“, einem mehrgeschossigen ehemaligen Hinterhof-Fabrikgebäude, das sonst als Szene-Disko dient.
Parkplätze waren ausreichend vorhanden. Die meisten Partygäste reisten mit dem Auto an, den weitesten Weg legte ein Gast aus der Schweiz zurück. Einen der interessantesten Auftritte hatte ein attraktives Paar aus Hamburg, aber dazu später.

Es sollte der erste „Eromorph“ unter neuer Teamleitung werden. Die Vorbereitungen begannen bereits im Sommer vorigen Jahres und der Aufwand hat sich gelohnt! Mehr Besucher als je zuvor vergnügten sich eine ganze Nacht lang, ließen sich bezaubern, bespielen, inspirieren und nutzten die zahlreichen Angebote.

21.00 Uhr gab das schwere Eisentor den Eingang frei. Über einen roten Teppich gelangten die Gäste ins Empfangszelt. Beleuchtet von unzähligen Altarkerzen wurden sie persönlich von den Gastgebern Daphne und Laurius begrüßt.
Sir Andreas und ein Ponygirl schenkten den Begrüßungssekt ein, der von einem weiblichen Team-Mitglied mit Blindmaske gereicht wurde.
Anfangs wurden die Besucher einzeln von einem Helfer im rot-schwarzen Vollgummianzug zu den Garderoben ins obere Stockwerk geleitet. Später, aufgrund des Andrangs, mussten sie den Weg allein finden, was nicht schwer war. Jede Stufe der ausgetretenen Treppe wurde von Windlichten beleuchtet.
Alle Räume sowie das Treppenhaus waren mit Kerzen, roten Rosen und weißen Lilien dekoriert. Sinnbildlich für den vermeintlichen Widerspruch von glühender Leidenschaft und reiner Unschuld.

 

In der ersten Etage befand sich der Dancefloor mit der hinter einer Licht-Schatten-Wand verborgenen Showbühne. Weiterhin der Barbereich mit meterlangem Tresen, zahlreiche Sitzecken und Nischen, ein erstes Andreaskreuz und das kalt-warme Buffet. Lebende Kerzenständer schmückten den Speisenbereich. Zwei Damen wurden von Fesselkünstler Ricardo derart an Säulen fixiert, dass sie ihren Zweck, nämlich das Buffet zu erhellen, über Stunden bewegungslos erfüllen konnten. Ebenfalls im ersten Stock befanden sich die Toiletten, deren Türen vom ausschließlich hierfür angereisten Toilettensklaven in Vollgummianzug und Gasmaske bedient wurden.

Die obere Etage unterteilte sich in zwei Bereiche.  Linkerhand befanden sich Garderobe, Spiegel, Umkleidekabinen sowie Personalräume, rechts die großzügige Playarea mit integriertem Darkroom.
Am Eingang des Spielraumes verwies ein Schild: „Zutritt und Benutzung der Geräte auf eigene Gefahr“. Dennoch war Sicherheitspersonal im schwarzen Anzug zugegen, das sich die ganze Nacht über dezent im Hintergrund hielt.
Den absoluten Höhepunkt stellte das extra für dieses Event entworfene Bett einer Spezialfirma dar (www.wooden-art.de), welches die Mitte des Raumes beherrschte. Ein Traum in schwarzem Edelholz und weinrotem Brokat: Kopfteil in ovaler Altarform mit Leuchtern und einem Kreuz. Die geschwungenen, brokatbezogenen Seitenteile versteckten die komplizierte Elektronik. Das Fußteil endete in einer Gebetsbank. In den vier Bettpfosten befanden sich versenkbare Ketten mit Hand- und Fußfesseln. Der Erbauer selbst war mit seinem Assistenten vor Ort (beide im Outfit mittelalterlicher Großherren mit Kniebundhose und Dreispitz), um die ausgeklügelte Mechanik vorzuführen: Mittels Knopfdruck senkte sich eine Hälfte der zweigeteilten Matratze nach unten und ein massives ausfahrbares Gitter bedeckte die so entstandene Grube. Ideal zum Fixieren und kontrollierten Einengen eines darunter liegenden Sklaven. Bei soviel Perfektion waren die Beleuchtungs-, Nebel-, Pranger- und Streckfunktionen des Bettes nur noch faszinierendes Beiwerk.
Komplettiert wurde das Spielzimmer durch verschiedene Andreaskreuze, einem Gebärbett, zwei Gynstühlen, einem Standpranger, einem Standkäfig, Flaschenzügen an der Decke und dem von außen blickdichten Darkroom mit Sofas, Spielwiese und Schwarzlicht.
 
Zwei DJs (DJ Amadeus und DJ Eksiedar) sorgten die ganze Nacht für stimmungsvolle Musik in der Playarea, im Barbereich und auf der Tanzfläche.

Punkt Mitternacht wurde das Lebende Buffet hereingebracht: Zwei Damen in hautengem Lack und Leder schritten mit Altarkerzen voran, schwarzbefrackte Männer trugen den Tisch, auf dem ein blutjunges Mädchen mit verbunden Augen lag. Anfassen verboten! Die dekorierten Früchte durften nur mit dem Mund von der zarten Haut gepflückt werden.
Kurz danach begann das Showprogramm.
Zuerst begeisterten Holger und Partnerin mit Rokoko-Pantomime vom Feinsten - zauberhafte Kostüme umrahmten ästhetisch angedeutete Praktiken.
01.00 Uhr begann in der Playarea die Bondage-Performance von Ricardo, der seine Deliah nach ca. 40 fesselnden Minuten kunstvoll verschnürt an einem Flaschenzug hängend schwingen lies.
Gegen 2.00 Uhr faszinierte eine Latex-Show die Gäste www.latexwalk.com  Am Ende der Bühnenaktion trieb die führende Lady ihren Partner (beide in rotem Ganzkörperanzug) mit Atemmaske an einer Kette durch die Räume. Statt einem Kreuz musste der tapfere Junge überdimensionale schwarze Engelsflügel auf seinen Schultern tragen, die Arme mit einer Spreizstange gestreckt. Wer der Herrin und ihrem so geschmückten Sklaven nicht rechtzeitig Platz machte, bekam die Peitsche zu spüren.

Die ganze Nacht war der hauseigene Fotograf, Mr. Darknight, zugegen, der auf Wunsch oder mit vorheriger Erlaubnis Bilder schoss. Dieser Service wurde dankbar angenommen - eigenständiges Fotografieren war den Gästen nicht gestattet, Kameras verboten. Einige der Bilder werden demnächst auf der Website zu sehen sein:  www.eromorph.info

Die Gastgeber Daphne und Laurius wurden immer wieder an den verschiedensten Orten gesehen und mischten sich aktiv unters Volk.
Sir Andreas verließ nach Mitternacht den Sektausschank und begab sich in die Playarea, um dort nach dem Rechten zu sehen. Einem Dreigespann musste er mit seiner Reitgerte aushelfen: Die Mädels hatten ihren korsettierten androgynen Freund an einem der Kreuze fixiert, jedoch kein passendes Schlagwerkzeug dabei.
Vor allem das Altar-Bett erfreute sich regen Interesses, ebenso Standpranger und Käfig, der nur selten leer war. Zu späterer Stunde wurden von den Gästen auch die Gynstühle und das Gebärbett für Libido- oder Wachsspiele genutzt.
Dauerhaften Zuspruch fand der Darkroom. Hier wurde u.a. das Hamburger Pärchen wieder gesichtet. Während ein hinzu gekommener Fußfetischist die Zehen der Dame verwöhnte, brachte ihr Partner sie manuell zum lautstarken Höhepunkt. Später konnte man die drei an einem Stehtisch im Barbereich erleben. Während der Fußsklave die schlanke Frau festhielt und streichelte, stellte der Herr plötzlich seinen silbernen Aktenkoffer ab, zog den Gürtel aus der Hose und verstriemte seiner Partnerin den bloßgelegten Hintern. Für einige Anwesende schockierend, gipfelten die harten Schläge in Schluchzen und Tränen, bis die öffentliche Session schließlich auffangend und tröstend in den Armen ihres Herrn endete. Hand in Hand verließ das Paar kurz darauf den Schauplatz; er mit einem stolzen zufriedenen Gesichtsausdruck, sie mit einem glücklichen Lächeln.
Von den Besuchern überschwänglich gelobt wurden Ausstattung, Angebote und Show-Acts. Eine Domina aus Nürnberg   honorierte die mit viel Liebe ausgestalteten Räume und die zur Verfügung gestellten Spielgeräte: „Das ist extrem selten auf solchen Parties“.
Sie war in Begleitung eines Freundes angereist und hatte ihren persönlichen Sklaven dabei. Dieser diente im Barbereich seiner Herrschaft als Rauchverzehrerr und später als Kerzenhalter, indem er von seiner Herrin zwischen zwei Säulen kniend mit ausgestreckten Armen festgebunden wurde und bewegungslos auf seinem maskierten Kopf den Ascher bzw. ein Teelicht balancieren musste. Seine Atemluft wurde über ihm über einen Schlauch zugeleitet, penibel und professionell überwacht von seiner Herzdame. Mit Sicherheit ein ganz besonderes Erlebnis nicht nur für den Sklaven.

Auch die Outfits anderer Partygäste waren ausgefallen und fantasievoll. Besonders hervor stach eine Zwei-Meter-Frau in figurbetontem schwarzem Lederkostüm mit überdimensionalem Gitterstehkragen, einer Halbmaske mit Spitzohren und einem langen Teufelsschwanz.

Es wurde bereits hell, als die Tür hinter den letzten Besuchern geschlossen wurde. Eine ereignisreiche Nacht ging vorüber und  schon wird dem nächsten „Eromorph“  sehnsüchtig entgegengefiebert. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen.

Hochachtung und Dank allen Helfern, Mitstreitern, Mitwirkenden und natürlich den beiden Gastgebern, die alle zusammen eine vormals mittlere Party zu einem unvergesslichen Event werden ließen.

Beim nächsten Mal bin ich selbstverständlich wieder vor Ort und werde exklusiv für Sie berichten. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine ereignisreiche Zeit und erholen Sie sich gut!

Ihre Anastasia
(die in Begleitung von Sir Andreas nicht nur den Sekt austeilen und das Lebende Buffet dekorieren, sondern ihre erste Fetischparty überhaupt erleben durfte)